Unsere Schule Die Stallarbeit Schulprofil

 Für die Gründungseltern und -lehrer, die sich Anfang der 90-er Jahre für eine Waldorfschule auf dem Dachsberg engagierten, wurde der jetzige Standort der Schule bewusst angestrebt. Nicht wegen der “idyllischen Lage“, sondern vor allem wegen der Nähe zum Goldenhof, der schon sehr lange biologisch-dynamisch bewirtschaftet wird, und wo seit der Gründung des Vereins „Freie Landbauschule Goldenhof e.V.“ Anfang der siebziger Jahre durch Franz-Karl Rödelberger die Verbindung von Pädagogik und Landwirtschaft ein großes Anliegen war. Schon im Schulvertrag wird auf die enge Verbindung und Zusammenarbeit mit dem Goldenhof-Verein und dessen Mitarbeitern hingewiesen, und die Eltern wissen, dass der Unterricht nicht nur im Klassenzimmer, sondern auch bei praktischen Arbeiten auf dem Goldenhof oder auch auf dem Schulgelände stattfindet. Ein fester Bestandteil ist die regelmäßige Mitarbeit im Stall der Klassen eins bis sechs. Der Ablauf eines Stallmorgens und die daraus resultierende Beobachtung und Erfahrung sollen hier kurz geschildert werden.

 Acht Uhr eines ganz normalen Schulmorgens: während sich die Schüler in ihren Klassenräumen versammeln um mit dem Unterricht zu beginnen, machen sich jeweils ein bis zwei Schüler aus einer der Klassen eins bis sechs auf den Weg zum Stall des benachbarten Goldenhofes. Dort werden sie von der Bäuerin empfangen, deren Aufgabe es ist, die Kinder bei allen Arbeiten anzuleiten, zu betreuen und zu begleiten. Sie kennt alle Schüler und bei dem Verteilen der Aufgaben werden die individuellen Fähigkeiten und Aufgaben eines jeden Kindes berücksichtigt. Die Arbeit beginnt im Ziegenstall. Die Ziegen müssen gemolken und dann auf die Weide gebracht werden.  Sie lassen es geduldig über sich ergehen, dass jeder, der sich traut, sich im Melken versucht. Anschließend werden sie angeseilt und auf die Weide geführt. Wenn sie es eilig haben, braucht es schon mal gutes Standvermögen und Durchhaltekraft von Seiten der Kinder, damit die Ziegen auch dort ankommen, wo sie hin sollen, und nicht beispielsweise im Blumenbeet des Kindergartens landen. Für das Kind, das es trotz dieser Schwierigkeiten schafft, seine Ziege an den vorgesehenen Platz zu bringen, ist es ein Erfolgserlebnis und sie/er will es am nächsten Tag auf jeden Fall wieder machen. Nun wird der Ziegenstall ausgemistet und hergerichtet, damit die Ziegen am Abend gerne zurückkommen. Der Mist wird zusammengefegt und in die Schubkarre geschaufelt, die Heuraufen werden aufgefüllt, der Wassereimer bereitgestellt.

 Nach den Ziegen sind die Pferde dran. Sie werden am Halfter von der Weide geholt und zum Brunnen geführt. Dort dürfen die Kinder sie striegeln und die Hufe auskratzen. Weiter geht es mit den „Hauptpersonen“ des Hofes, den Kühen. Während sie von Hand gemolken werden, dürfen die Kinder zuschauen oder Kühe und Kälbchen striegeln. Danach wird die ganze Herde zum Brunnen und anschließend auf die Weide getrieben und der Stalldienst ist für diesen Tag beendet. An dieser einfachen Schilderung eines „Stallmorgens“, der höchstens bis 9:30 Uhr dauert, wird vielleicht nachvollziehbar, wie viele gute Gründe es für diesen Stalldienst gibt.

 

Einige Gründe seien hier aufgezählt:

Sinneserfahrungen:
wie riecht Kuhmist? wie schmeckt frische Ziegenmilch? wie fühlt sich eine Pferdenase an? .... Die Kinder machen eine Vielzahl von Sinneserfahrungen und alle Sinne werden gleichermaßen beansprucht, was in der heutigen Zeit, in der der Schwerpunkt sich immer mehr auf den virtuellen Bereich verlagert, nicht selbstverständlich ist.

Die Arbeit mit dem Lebendigen:
(in unserem Fall mit den Tieren) erzieht dazu, Aufgaben zu ergreifen und durchzuhalten, Regeln einzuhalten und gibt den Kindern die Gewissheit, etwas Sinnvolles zu tun.

Positive Einstellung zur Landwirtschaft:
In einer Zeit und Gesellschaft, in der die Landwirtschaft eher ein „Stiefkind“ ist und die Berufsbezeichnung „Bauer“ oft zum Schimpfwort degradiert wird, lernen die Kinder die Landwirtschaft von der anderen Seite kennen und identifizieren sich oft mit den Aufgaben und Anliegen des Bauern.

Durch das Beobachten und Mittun bei den anfallenden Arbeiten, entwickeln die Kinder eine Geschicklichkeit in praktischen Tätigkeiten, die ihnen bei späteren Praktika oder Ausbildungen oder einfach im Alltag zu Gute kommt.

So ist die Stallarbeit an unserer Schule zu einer festen Einrichtung geworden und wird von Schülern und Eltern als besonderes „Angebot“ geschätzt.

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