Einleitung Handarbeit Werkunterricht
Malen und Zeichnen Eurythmie Klang- und Musik

 „Was lernt ihr eigentlich in der Waldorfschule außer Stallausmisten und Unkraut jäten?!“ wurde eine Zweitklässlerin unserer Schule von den großen Jungs im Bus angepöbelt. Das eingeschüchterte Mädchen hatte ausgerechnet eine Formenzeichnen-Epoche. Man kann sich vorstellen, wie es in dem kleinen Köpfchen arbeitete, bevor das Mädchen seiner Verlegenheit damit Luft machte: „Das brauche ich euch nicht zu erklären, das kapiert ihr eh nicht.“ Der Erfolg war frappant: es herrschte verblüffte Ruhe, und das Mädchen konnte von nun an erstaunlich unbehelligt Bus fahren. Im Elternabend der zweiten Klasse fragte uns der Lehrer provokant: „Wie können wir es uns eigentlich leisten, ein Drittel unserer Unterrichtszeit für Formenzeichnen und Handarbeit zu „verplempern“?“ Es gibt viele Erklärungen aus der anthroposophischen Menschenkunde, aus den Hintergründen der Waldorfpädagogik. Wir leben heute hundert Jahre später, als all diese einleuchtenden und bei intensiver Beschäftigung auch gut verständlichen Erklärungen abgegeben wurden.

Was uns vor hundert Jahren Rudolf Steiner als Ergebnis seiner Geistesforschung sagte, bestätigen heute längst die Wissenschaftler aus der Hirnforschung und anderen Bereichen. Aber keiner geht her und bringt seine Forschungsergebnisse mit längst praktizierten Unterrichtsmethoden in Verbindung und bestätigt diese. Jeder fühlt sich als Besitzer seiner Entdeckungen.

Ca. 60% des Gehirns arbeitet für die Motorik der Hand. So sagt es die neue Hirnforschung. Was lässt sich aus einem solchen Ergebnis nicht klarer erkennen, als dass Handarbeit 60% des Gehirnes schult und formt? Daraus lässt sich rein logisch folgern, dass jegliche Handarbeit wesentlichen Einfluss auf die Gehirnentwicklung hat. Trotzdem hat das „normale“ Schulsystem immer noch keine Zeit, dieses Lernpotenzial wirklich zu nutzen. In der Waldorfschule wird es seit hundert Jahren vom ersten Schultag an genutzt und das mit großem Erfolg. Jeder Unterricht ist davon durchdrungen, wobei hier jetzt nur auf den spezifisch künstlerisch-handwerklichen Unterricht eingegangen werden soll.

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