Bereits in den frühen achtziger Jahren traf sich ein kleiner Kreis junger Eltern auf dem Goldenhof in Urberg, um sich mit Rudolf Steiners Gedanken zur „Erziehung des Kindes“ auseinanderzusetzen. Die in dieser Schrift dargelegten Ausführungen boten für die Eltern die adäquate Grundlage, sich in wöchentlichen Zusammenkünften über eine kindgerechte Erziehung auszutauschen und sich darum zu bemühen, diese in der Praxis des Familienalltags zu erproben. In Anke Rödelberger, die gemeinsam mit ihrem Mann Franz-Karl Rödelberger die „Freie Landbauschule Goldenhof e.V.“ in Urberg führte, fand dieser Kreis von Interessierten eine glühende und engagierte Verfechterin der Waldorfpädagogik. Angeregt von Anke Rödelberger, die ausgebildete Waldorflehrein war, bot sich für die Elterngruppe schon bald eine Möglichkeit, ihre Arbeit den Menschen der ländlichen Umgebung nahe zu bringen und auch einen Einblick in ihre spirituelle Lebenshaltung zu geben. So wurden die Feiern zu wichtigen Jahresfesten wie  Johanni am 24. Juni und die „Oberuferer Weihnachtsspiele“ zu einem ersten Grundstein einer breiteren Öffentlichkeits-arbeit. Bereicherten die Weihnachtsspiele, die alljährlich - zunächst noch in der Goldenhofstube - zur Aufführung kamen, die Advents- und Weihnachtszeit, so bildete das Johannifest den hochsommerlichen Höhepunkt im Jahreslauf. Die beiden Feste, wie auch alle anderen Jahresfeste, erfreuten sich schon bald eines großen Zuspruchs.

Im Jahre 1985 wurde dann der „Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik“ gegründet und damit die Grundlage zur Eröffnung eines Kindergartens geschaffen. Noch im Herbst desselben Jahres konnte bereits mit einer Spielgruppe von 12 -15 Kindern, die vormittags von Anke Rödelberger betreut wurde, begonnen  werden. Da noch kein eigener Kindergartenraum bestand, gestaltete man die große Goldenhofstube für die Spielgruppe um. Im Verlauf des folgenden Jahres ergriffen dann die Eltern die Initiative und bauten für ihre Kinder einen entsprechenden Raum im Gebäude des Goldenhofes aus. Eine echte Herausforderung, da man die Gegebenheiten des Hofes - kein fließendes Wasser und kein Strom - mit den allgemeinen Anforderungen einer rechtlich abgesicherten Kindergartengenehmigung in Einklang bringen musste. Doch es gelang, und die Kindergarteneltern konnten sich schon bald über die offizielle Genehmigung der Behörden freuen. Als die ersten Kinder zu Schulkindern herangewachsen waren, wurde den Eltern bewusst, dass nun die nächste zukunftsweisende Aufgabe auf sie wartete: die Gründung einer Waldorfschule. Ende der achtziger Jahre begann man sich intensiver um eine Schulgründung zu bemühen. In dieser Zeit wurden die ehemaligen Kindergartenkinder, die zunächst in Regelschulen eingeschult werden mussten, von Frau Rödelberger nachmittags mit einem Waldorf - Zusatzunterricht versorgt, der alsbald durch den entsprechenden Handarbeitsunterricht, erteilt von Martha Weidenhammer, eine wesentliche Unterstützung erfuhr.

1992 erfolgte dann - man hatte die Hilfe eines Rechtsanwalts in Anspruch genommen, um  die Schulgenehmigung voranzutreiben - auch hier die offizielle behördliche Genehmigung auf der Grundlage des im Grundgesetz verankerten Gleichstellungsprinzips. Allerdings wurde die Genehmigung für den Schulstandort „Goldenhof“ nicht erteilt, und so nahm man das Angebot Maria Osthoffs, einer Schulmutter aus Rüßwihl, gerne an, den Unterricht der „Freien Landschule“ im Privathaus der Familie mit einer Doppelklasse 2/3 und einer neuen ersten Klasse zu beginnen.

Klassenlehrerinnen und Gründungslehrerinnen der drei bestehenden Klassen waren Anke Rödelberger und Katharina Fischbach. Dabei wagte es Katharina Fischbach, von einer großen städtischen Waldorfschule  zu uns aufs Land zu kommen, um den Unterricht nach den Sommerferien mit nur zwei Kindern aufzunehmen. Doch schnell sollte sich auch diese erste Klasse mit Schülerinnen und Schülern, deren Eltern die Waldorfpädagogik wünschten, füllen. Der Fremdsprachenunterricht wurde zu dieser Zeit bereits von Susanne Öhler erteilt. 1994 folgte schließlich der Kauf des alten Schulhauses in Wolpadingen und in den Sommerferien der Umzug in die von Eltern und Lehrern neu in Stand gesetzten undrenovierten Räume.

Eine feierliche Grundsteinlegung, welche die kleine noch überschaubare Schulgemeinschaft gemeinsam feierte, bildete den Höhepunkt dieser Zeit. Um den Kontakt zum Goldenhof und der dort verankerten Pädagogik (Gartenbau, Stallarbeit, sowie Ausbau des Schulgebäudes) nicht zu vernachlässigen, erhielten unsere Waldorfschüler von nun an einen „Hofnachmittag“. Die Schülerzahl war inzwischen auf über achtzig Schülerinnen und Schüler angewachsen. Auch das Kollegium hatte sich erweitert:  Eva Dietrich und Hans Peter Siegel erteilten fortan die Fächer Handarbeit und Naturwissenschaften, Holger Janson war als neuer Klassenlehrer dazu gekommen.Ende der neunziger Jahre waren die rechtlichen Voraussetzungen für die offizielle Aufnahme des Schulbetriebes - die Gemeinde Dachsberg hatte hierbei wertvolle Hilfe geleistet - geklärt. Und da die neuen Räumlichkeiten in Urberg bezugsfertig waren, konnte man einen Großteil des Unterrichts endlich wieder dort aufnehmen, wo der Gründungsimpuls ursprünglich seinen Ausgang genommen hatte.

Nun war es auch möglich, wichtige Grundpfeiler des Pädagogischen Konzeptes der Freien Waldorfschule umzusetzen:

> morgendliche Stallarbeit: denn der Umgang mit Tieren schärft die Sinne der Kinder auf eine objektivere und feinere Art und lehrt sie ursprüngliche, an der Alltagswirklichkeit orientierte Tätigkeiten.
> intensive Theaterarbeit, neben jahrgangsgebundenen Klassenspielen sei hier das klassenübergreifende Oberstufenprojekt von Goethes „Faust“ unter der Regie von
Anke Rödelberger besonders hervorgehoben.
> Gartenbau, der die Schülerinnen und Schüler mit den Prozessen der Natur vertraut
macht, sie die Erde heilen, bewahren und pflegen lehrt.
> daneben bietet die direkte Nähe zur umgebenden Natur und Landschaft vielseitige Erfahrungsmöglichkeiten für die Kinder, wie beispielsweise das notwendige jährliche
Anlegen der Holzvorräte für die Wintermonate.

 Und so wie die Kinder heranwuchsen, gedieh mit Unterstützung der Eltern und Lehrer auch die Schule Stufe um Stufe, erweiterte und vergrößerte sich. Zur Grundstufe kamen Mittelstufe und Oberstufe hinzu, bis im Jahre 2002 die Schülerinnen und Schüler der so genannten „Pionierklasse“ zum ersten Mal in der jungen Schulgeschichte erfolgreich die Mittlere Reife ablegen konnten.

Neben dem Schulgeschehen wuchs und gedieh auch die Arbeit im Kindergarten, die die Schulkinder auch immer wieder mit kleineren Hilfeleistungen unterstützten. Im Jahr 1999 kam unter der Leitung von Johanna Birth der Görwihler Waldorfkindergarten zum Schulverein dazu. 2012 schloss sich der Naturkindergarten unter der Leitung Alexandra Bühlers an, der seinen Standort in Todtmoos hat.

Gegenwärtig besuchen 15 Kinder den Goldenhofkindergarten, in Görwihl sind es 15 Kinder und in Todtmoos 12 Kinder, die von den drei Waldorferzieherinnen und ihren Helferinnen liebevoll betreut werden. Das Kollegium der Schule umfasst gegenwärtig 16 Kolleginnen und Kollegen und unterrichtet derzeit 130 Schülerinnen und Schüler in 12 Klassen. Der Vorstand besteht aus 6 Personen.

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