Landwirtschaftspraktikum Betriebspraktikum Sozialpraktikum

Zweimal vier Wochen der 9. Klasse werden dem Landwirtschaftspraktikum gewidmet. Ob mit Tieren, oder mehr mit Gemüse, Obst und Beeren, vier Wochen lang schöne, interessante und weniger schöne Erfahrungen in der Fremde.

Es ist für viele das erste Mal für eine so lange Zeit von zu Hause entfernt in einer fremden Familie, in einer unbekannten Umgebung. Doch die Schüler machen in dieser Zeit wichtige Erfahrungen fürs Leben. Jeden Tag sich auf die Arbeit einzulassen, die gerade anfällt, ist nicht immer leicht. Die Bauernhöfe, die sich die Schüler aus einer von der Schule getroffenen Auswahl, anhand von Erzählungen aussuchen dürfen, sind zum größten Teil Demeterhöfe oder Bio-Höfe in der Schweiz, Frankreich und Deutschland. Mutterkuhbetriebe, Alpbetriebe, Ziegenhöfe stehen ebenso wie Obst-, Gemüse-, Beeren- und Weinbauern zur Auswahl. Manche Schüler finden sich schnell in ihre Gastfamilie ein, anderen fällt es schwerer. Viele werden sogar von Heimweh geplagt.

 Die Sprache spielt da eine große Rolle, nur die wenigsten sind in Deutschland, und auch wenn in einem Teil der Schweiz Deutsch gesprochen wird, ist es nicht immer einfach, den Dialekt zu verstehen. Doch noch schwieriger ist es, wenn die Höfe in der französischen Schweiz und in Frankreich sind, auch wenn an unserer Schule Französisch unterrichtet wird, ist es schwierig sich zurechtzufinden, wenn man sich nur so ungefähr verständigen kann. Zum Glück können die meisten Schweizer, auch die im Tessin Deutsch, weil Italienisch noch eine Stufe anspruchsvoller wäre.

Doch alle Landwirtschaftspraktikanten kommen voller Erlebnissen und Erfahrungen zurück. Das Erlebte verarbeiten die Schüler auf ganz verschiedene Art und Weise:

> Einige sind nur froh es geschafft zu haben und wieder in
ihr gewohntes Umfeld zu kommen.
> Viele sind stolz darauf, dass sie es durchgehalten haben.
> Manche entwickeln einen Sinn für gesunde Nahrung und lernen den Beruf des Bauern und die Kostbarkeit unserer
Nahrungsmittel zu schätzen.
> Wieder andere gehen (auch wenn die wenigsten Bauern
werden wollen), in den Ferien nochmals auf ihren Hof
um mit zu helfen.

 Doch alle Schüler/innen betrachten nach dem Landwirtschaftspraktikum die Arbeit auf dem Bauernhof mit anderen Augen und bringen die Lebensmittel vom Bauernhof und die im Laden in Zusammenhang. Sie erkennen, wie viele Menschen mithelfen, bis man die Lebensmittel im Laden kaufen kann. Die Erfahrungen wirken sich jedoch nicht nur gegenüber den landwirtschaftlichen Zusammenhängen aus. Wie ein zufriedener Vater zu berichten wusste, ist sein Sohn in allen Bereichen erwachsener geworden. Pflichterfüllung oder Hilfeleistung bekamen für ihn plötzlich eine unerwartete Selbstverständlichkeit. Mir selbst hat mein Praktikum unglaublich viel Spaß gemacht. Meine Bauersleute sind jetzt meine Freunde, und ich gehe, wann immer es möglich ist, wieder zum Helfen dort hin.

Bois-Genoud ist ein Demeter-Gemüsebetrieb in der französischen Schweiz bei Lausanne. Ihn bewirtschaftet eine Frau mit Hilfsarbeitern. Meistens helfen ihr mehrere Praktikanten. Hat man sich schon etwas eingearbeitet, so bekommt man auch kleinere oder größere Arbeiten, die nun selbstständig erledigt werden dürfen.

Arbeiten selbstständig zu erledigen führt zu Selbständigkeit. Auch fühlt man sich dort sehr wohl, da man eben auch als Praktikant verantwortungsvolle Arbeiten bekommt. Sogar darf man auf dem Markt mithelfen zu verkaufen (was nicht bei jedem Hof üblich ist) wohlgemerkt auf Französisch. Dazu gehört: Kunden bedienen, abwiegen, Preise auf einem Zettel aufschreiben und später im Kopf zusammenrechnen, auf Französisch sagen, wie viel dies nun kostet und natürlich Geld wieder rausgeben. Die Hauptarbeiten sind Ernten und Pflanzen. Immer wieder müssen die gleichen Arbeiten erledigt werden, doch es wird nie langweilig und macht wirklich Spaß.

Veronika

Meine Praktikumszeit habe ich eher in schlechter Erinnerung behalten. Diese vier Wochen verbrachte ich auf einem Obst- und Gemüsehof, zu welchem ca. 6ha Land gehören, sowie jede Menge an helfenden Händen. Die Arbeit war schnell erledigt und mit der vielen freien Zeit wusste ich nichts anzufangen.

Bei der Arbeit auf dem Markt, welcher zweimal die Woche stattfand, war etwas mehr zu tun und es war auch interessanter. An dieser Arbeit hatte ich mehr Gefallen gefunden.

Madita

 Ich habe meine Praktikumszeit in unglaublich schöner Erinnerung behalten. Wie ein Familienmitglied wurde ich vier Wochen lang von meiner Gastfamilie in der Schweiz behandelt. Arbeiten wie Stall ausmisten und Tiere füttern standen vor dem Frühstück auf dem Programm und dann ging es los mit Beeren ernten. Es ist ein toller Moment, wenn man umgeben ist von lauter Beeren und nichts hört, außer das Singen der Vögel und das Summen der Bienchen. Und der Geruch in der Luft von reifen Beeren ... Doch die Beerenernte ist keinesfalls nur ein Vergnügen. Auch bei nicht so gutem Wetter musste geerntet werden, dann war eher eine bedrohliche Stimmung, die verstärkt wurde durch den Wind, der unter den Regendächern und Planen hindurch pfiff.

In dieser Zeit hab ich den Wert der Beeren kennen gelernt. Und wenn man denkt, Beerenernte sei eine einfache Arbeit, täuscht man sich gewaltig. Ich war jeden Abend so müde, dass ich sofort in einen tiefen Schlaf gefallen bin, der erst wieder von meinem Wecker gestört wurde.

Ariadne

 InAvoudrey bei Marie und Serge Limoge hat es mir sehr gut gefallen. Mit so vielen verschiedenen Tieren zu leben, war eine neue Erfahrung - auch war es ungewohnt, in einem fremden Land zu sein, in dem fast niemand deine Sprache spricht. Ich war deshalb in der Franche Comté, weil ich mein sehr schlechtes Französisch verbessern wollte. Anfangs war es recht schwierig, alle Anweisungen zu verstehen - aber nach ein paar Tagen ging es immer besser. Das tägliche Verben konjugieren mit Marie während der Käseherstellung bzw. dem Käse umdrehen, half auch beim Sätzebilden bzw. freien Sprechen.

Natürlich gab es auch Arbeiten auf dem Bauernhof, die nicht so viel Spaß gemacht haben, aber im Großen und Ganzen sehe ich auf eine positive Zeit zurück und würde dort auch wieder hingehen wollen. Ich kann „Maries Ziegenhof“ nur empfehlen, vor allem Schülern, die mit dem Französisch Probleme haben.

Anja

 

Mergoscia, Tessin, liegt an einem Südhang etwas nördlich von Locarno am Eingang des Verzascatals. In  diesem kleinen Dorf leben Marco und Verena Klurfeld auf ihrem Hof „Ca die Ciser“. Mit dem Aufbau des Betriebs begannen sie 1980 und sind seit 1985 ein kontrollierter Biobetrieb. 1989 stellten sie dann endgültig auf die biologisch-dynamische Wirtschaft um. Ihr Betrieb umfasst rund 7ha Land, wobei 3ha mit Reben bepflantzt sind. Auch haben sie mindestens 70 Hochstammbäume, vor allem Äpfel und Birnen für Tafelobst und Saft.

Sie besitzen ausserdem noch 20 Bienenvölker, die ihnen den Honig schenken. Jedes Jahr werden bis zu 15 Tonnen Trauben zu 7000 Liter Saft und 3500 Liter Wein verarbeitet. Zu den Weinen gehört der Chiaretto Americano, der Americano-Rosso, La Redonda, Il Cabernet und der Bianco della Casa. Aber auch Grappa wird im großen Weinkeller von Marco und Verena hergestellt.

 

Die Weinlese beginnt jedes Jahr gegen Mitte September und endet in den letzten Oktobertagen. Jedes Jahr kommen um diese Zeit 15-20 Menschen auf den Hof „Ca die Ciser“ um dort gegen Kost und Logie bei der Traubenernte zu helfen. Die „Helfer“ bleiben für eine oder zwei Wochen, um dann von den nächsten abgelöst zu werden. Es ist schön, so viele Menschen um sich zu haben, auch geht die Arbeit bei einem netten Gespräch leichter von der Hand.

Mein zweites Landwirtschaftspraktikum habe ich am Bodensee in Romanshorn (Schweiz) verbracht. Der  Betrieb „Bötsch Gemüsebau“ ist weder ein biologischer- noch ein Demeterhof. Doch für mich war es wichtig, auch diese Seite der Landwirtschaft kennen zu lernen und den Unterschied zwischen BIO und nicht-BIO zu finden. Ralph Bötsch bewirtet ca. 40ha Land, wovon aber nur 12ha Eigentum sind. Auf diesem Land baut er hauptsächlich diverse Salate an. Sein Hauptprodukt sind aber die Tomaten welche auf 2 Gewächshäuser verteilt angepflanzt werden. Im Schnitt sind es jährlich 2500 Tonnen Tomaten die er verkauft. Runde, große, kleine, eckige, bunte, rote, dicke, dünne ... das volle Programm also! Doch am besten verkauft sich die Lycopin Tomate (Lynato), welche zu den Strauchtomaten gehört und sehr geschmacksintensiv ist. Für die Lynato bekam Ralph Bötsch sogar schon Preise. Im dritten Gewächshaus baut er Gurken an, von denen er jährlich bis zu 4000 verkauft.

 Heute beschäftigen Ralph Bötsch und sein Sohn Pirmin 60 Saisonarbeiter, die alle 8 -10 Monate gewechselt werden. In ihrer Mannschaft haben sie Slowaken, Russen, Polen, Ukrainer, Portugiesen und 4 - 5 Schweizer. Für mich war es sehr amüsant, da ich keine einzige dieser Sprachen, bis auf das Schweizerdeutsch verstehe. Da man aber in Russland oder Polen kein „Schwiizerdütsch“ redet, mussten wir uns mit Händen und Füßen und den ganz mageren Englischkenntnissen verständigen.

Suala


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